WM-Stadt Samara: Das Raumfahrtzentrum an der Wolga

WM-Stadt Samara: Das Raumfahrtzentrum an der WolgaFoto: commons.wikimedia/Svetlov Artem CC BY 3.0

Die Industriestadt mit knapp über einer Million Einwohnern erstreckt sich 50 Kilometer entlang der Wolga. Neben Kasan, Nischni Nowgorod und Wolgograd ist Samara einer von gleich vier WM-Austragungsorten, die an diesem bedeutenden russischen Fluss liegen. Man sagt, die sechstgrößte Stadt Russlands habe die schönste Flusspromenade und die hübschesten Mädchen des Landes. Das Flair Samaras wird von Reisenden gerne als mediterran beschrieben und auffälligerweise fehlt der Millionenstadt das typische Straßengedränge mit Verkehrschaos und wildem Gehupe. Nicht nur als Zentrum der Flug- und Raumfahrt hat sich die Stadt einen Namen gemacht. Der 86 Meter hohe Bahnhof gilt als höchster und ein Bunker als der Tiefste weltweit.

Samara Arena

So lautet zumindest der offizielle FIFA-Name des knapp 45.000 Zuschauer fassenden Stadions, das auf dem höchsten Hügel der Stadt gebaut wurde. Nach der WM wird sicher der ursprünglich angedachte Name „Kosmos-Arena“ als Reminiszenz an die Raumfahrtindustrie zur offiziellen Bezeichnung werden. Auch im Design der großen Glaskuppel sind futuristische Motive nicht zu übersehen. Die 60 Meter hohe Überdachung wird von einer besonders leichten High-Tech-Metalllegierung getragen. Durch die Beleuchtung der gesamten Struktur bei Nacht soll das expressive Design des Stadions betont werden.

Die Baukosten des von der Architektur-Gemeinschaft GMP entworfenen und gebauten Stadions werden offiziell mit 285 Millionen Euro angegeben. Zwischenzeitlich ist die leitende Baufirma aufgrund von Differenzen mit den Stadionverantwortlichen über die Baukosten jedoch zurückgetreten Der traditionsreiche „Werksverein“ des Luft- und Raumfahrtzentrums Krylja Sowetow, zu Deutsch „Flügel der Sowjets“, der formell zur russischen Luftwaffe gehört, kann sich nach der WM dennoch auf eine neue moderne Arena als neues Heimstadion freuen. Das Metallurg-Stadion aus dem Jahr 1957 war seit Jahren schon dringend renovierungs-, wenn nicht gar abrissbedürftig. Der als „Fahrstuhlverein“ bekannte Verein spielt derzeit in der zweiten russischen Liga.

In Samara finden vier Gruppenbegegnungen der WM zwischen Costa Rica, Serbien, Dänemark, Australien, Uruguay, Kolumbien und dem Senegal sowie dem Gastgeber Russland statt. Außerdem werden in Samara ein Viertel- und ein Achtelfinale ausgetragen.

Sehenswert in Samara

Auf den ersten Blick ist das mehr als 400 Jahre alte Samara, das ursprünglich aus einer Festung hervorging, eine typische moderne Großstadt mit sich endlos hinziehenden Neubauten. Wer genauer hinsieht, dem offenbart die Wolga-Metropole jedoch viele feine Facetten, die es wert sind, erkundet zu werden. So lockt beispielsweise die mehr als fünf Kilometer lange Uferstraße zu einem ausgiebigen Spaziergang. Besonders in der warmen Jahreszeit herrscht auf der Flaniermeile Leben mit Gastronomie, Open Air-Kunst, Musik und vielem mehr. Wer davon genug hat, kann auf den parallel verlaufenden Sandstrand wechseln, ein kühles Bad in der hier fast zwei Kilometer breiten Wolga nehmen oder sich im Beach-Volleyball versuchen.

Ein Magnet für Einheimische und Gäste ist die von historischen Bauten gesäumte Leningrader Straße, auch „Arbat von Samara“ genannt. Die vielen Boutiquen in dieser Fußgängerzone eignen sich hervorragend zum shoppen und bummeln. Nur ein paar Straßen weiter liegt der Kujbyschew-Platz, einer der größten in Europa. Mit seinen 17,4 Hektar soll er sogar den Moskauer Roten Platz um einen Hektar übertreffen. Das monumentale Akademietheater für Oper und Ballett ist ein Paradebeispiel für den stalinschen Empire-Stil. Der gesamte Platz atmet den Geist dieser Epoche und ist ganz folgerichtig nach dem roten Revolutionär benannt, dessen Name Samara zwischen 1935 und 1991 trug. Hier findet während des Turniers vom 14. Juni bis 15. Juli ein großes Fan-Fest statt.

Der über 100-jährigen Tradition des Fußballs in Samara ist seit 2007 das Fußball-Museum in der Molodogwardejskaja Straße Stadt gewidmet. Verständlicherweise nimmt die Geschichte Kryljas und deren Exponate den größten Platz des Museums ein. Wer sich allerdings mehr für die Raumfahrt interessiert, findet in Samara eine echte Sojus-Trägerrakete, aufgestellt mitten in der Stadt. Der 68 Meter hohe kosmische „Obelisk“ ist von vielen Punkten der Stadt gut einzusehen und lockt jede Menge Besucher an. Die Rakete wurde 1984 in einem ortsansässigen Werk hergestellt und war bis 1999 auf dem Weltraumbahnhof Plessezk im Einsatz. Im neben der Rakete errichteten Raumfahrt-Museum „Das kosmische Samara“ erfährt der Besucher alles, was es mit Samara und dem Weltall auf sich hat.

Wer den Kontrast zur großen Stadt sucht, sollte unbedingt mit der Fähre an das rechte Wolgaufer übersetzen und die Schiguli-Berge aufsuchen. Die malerische Natur dieser Hügelkette lädt zu ausgiebigen Wanderungen und Klettertouren ein. Besonders beliebt ist das Schirjajewo-Stollensystem, ein Labyrinth aus sieben künstlichen Berghöhlen. Die Stollen gehörten einst zu einem im großen Stil betriebenen sowjetischen Kalkbergwerk, dessen Kalksteinabbau aber längst eingestellt wurde. Bereits im 19. Jahrhundert zog es Maler zu den romantischen „Bergen“. So entstanden hier die ersten Skizzen zu dem berühmten Gemälde „Die Wolgatreidler“ von Ilja Repin, die im nahegelegenen Repin-Museum ausgestellt sind.

Gastronomie in Samara

Aufgrund der Lage am größten Fluss des europäischen Russlands zählen Fischgerichte in allen Variationen zu den gastronomischen Besonderheiten Samaras. Jeden Sommer findet am Wolgaufer ein Wettbewerb statt, bei dem sich die besten Köche der Stadt in der Zubereitung der russischen Fischsuppe „Ucha“ messen. Bekannt ist Samara für seinen Kirchkuchen – in den vielen Gärten der Stadt und ihrer Umgebung ist das Obst allgegenwärtig. Ansonsten findet man das übliche Gastro-Angebot wie in anderen russischen Großstädten auch. Er wähnt werden muss an dieser Stelle unbedingt das Lieblingsbier der Einheimischen, das Schiguljowskoje, gebraut in einem alten Backsteinwerk direkt am Wolgaufer. Am besten schmeckt der Gerstensaft in der hauseigenen Gaststätte, sozusagen direkt aus dem Bottich gezapft.

[sb/russland.REISEN]