WM-Stadt Rostow am Don: Der liebliche Süden

WM-Stadt Rostow am Don: Der liebliche SüdenFoto: commons.wikimedia/Вадим Анохин CC BY-SA 3.0

Kosaken, mildes Klima und mediterranes Flair – Rostow am Don ist das Tor zu einem ganz anderen Russland. Die Region war bereits in der Antike besiedelt und sah schon viele Völker kommen und wieder gehen. Seit dem 18. Jahrhundert ist das „Tor zum Kaukasus“, einst als Bollwerk gegen die Osmanen errichtet, eine pulsierende Verkehrsachse im Süden Russlands. Heute ist Rostow am Don die zehntgrößte Stadt der Russischen Föderation und das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Südens.

Rostow Arena

Der erste Entwurf der Architekturschmiede Populous für das neue Stadion lag bereits im Jahr 2012 auf den Tischen der Verantwortlichen, wurde jedoch wegen der veranschlagten Baukosten von rund 300 Millionen Euro zunächst abgelehnt. In den darauf folgenden zwei Jahren begann man schließlich doch zögerlich mit den ersten Vorarbeiten. Erst im Jahr 2014 nahm die Konstruktionstätigkeit ernsthaft Gestalt an. Bis Mitte 2015 waren immerhin schon elftausend Pfähle in den Boden gerammt und der Unterbau mit Beton ausgegossen. Inzwischen ist die Baustelle aber immerhin soweit gediegen, dass bis Anfang 2018 lediglich noch die „Inneneinrichtung“ fertig gestellt werden muss. Noch verfügt die Rostow Arena beispielsweise über keine Sitze.

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 soll das Stadion 45.145 Zuschauern Platz bieten. Die Spiele werden, was in Russland auf Grund der klimatischen Besonderheiten nicht die Regel ist, auf Naturrasen stattfinden. Zudem wird die Rostow Arena zur größten LED-Anzeige im Süden Russlands. Auf der riesigen Fassade des Stadions, die vollständig mit LED-Leuchten bedeckt sein wird, sollen Videos und Animationen, Post-Informationen und Werbetexte, die auch aus einem Kilometer Entfernung gut sichtbar sind, übertragen werden. Nach der Weltmeisterschaft soll die Arena dem örtlichen Premier Ligisten und letztjährigen Teilnehmer der Europa League, FK Rostow, anstelle des 1930 eröffneten Stadions Olimp-2 als Austragungsort für seine Heimspiele dienen.

Bei dem Weltmeisterschafts-Turnier werden Brasilien, Uruguay, Südkorea und Island sowie Mexiko, Kroatien, Saudi-Arabien und die Schweiz vier Spiele der Gruppenphase in der Rostow Arena bestreiten. Zudem ist Rostow am Don Austragungsort für eine Begegnung des Achtelfinales vorgesehen.

Sehenswert in Rostow am Don

Die einzige erhalten gebliebene Befestigungsanlage der Region ist die Anninskaja Burg aus dem Jahr 1731, ein wichtiger Vorposten der russischen Truppen während des Krieges gegen die Türken 1735-1739. Mit der Errichtung der Burg des Motropoliten Dmitri Rostowskis im Jahr 1761 verlor die Festung aus der Zeit der Zarin Anna an Bedeutung. Von dem, durch Zarin Elisabeth erbauten, Bollwerk an der Mündung des Dons ins Asowsche Meer haben lediglich ein paar Erdwälle die Tage bis heute überdauert. Anschaulicher und lebendiger dagegen ist die Geschichte der großen Kosakenheere und deren Attamane aus dem 18. und 19. Jahrhundert. 30 Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums, mit Bus oder Taxi leicht zu erreichen, kann man in Nowotscherkassk und dem Dorf Starotscherkassk in die Kultur der Don-Kosaken eintauchen.

Die Lage Rostows am Asowschen Meer, nur durch die schmale Landbrücke von Kertsch vom Schwarzen Meer getrennt, prädestiniert das namensgebende Städtchen Asow natürlich für einen Badeaufenthalt. Sanft abfallende Sandstrände machen das artenreiche Binnenmeer besonders bei Familien mit Kindern beliebt. Für den Nachwuchs hat man sogar in eine richtige „Stadt“, die Kidsburg, investiert. Auf einer Fläche von 2.400 Quadratmetern können sich Kinder, entsprechend ihrer Vorlieben und Talente in unterschiedlichen Berufen versuchen. Hier kann man Geld verdienen, Karriere machen und vor allem die Zusammenarbeit mit Kollegen lernen. Auch für Erwachsene hingegen ist der Aquapark H2O mit acht verschieden lange Wasserrutschen in mehreren Schwimmbädern sowie Wellness-Einrichtungen, Badespaß pur.

Eine Besonderheit Rostows ist die Alexandersäule im heutigen Witja Tscherewitschkin Park, der früher Alexander-Park hieß. Zum Gedenken der 25-jährigen Regierungszeit von Kaiser Alexander II. wurde 1894 dieses Memorial errichtet, die als einziges zaristische Denkmal in Russland nach der russischen Revolution nicht zerstört wurde. Ein Museum zu Ehren des russischen Polarforschers Rudolf Samoilowitsch wurde 1981 zum 100. Geburtstag des berühmten Reisenden und Wissenschaftlers in Asow gegründet. Die Ausstellung befindet sich in seinem Geburtshaus und zeigt Originalfotografien, Haushaltsgegenstände und Dokumente aus dem späten 19. Jahrhundert sowie persönliche Utensilien des Forschers.

Die Lebensader Rostows ist die rund vier Kilometer lange Bolschaja Sadowaja uliza. Allein schon der Name Große Gartenstraße lässt erahnen, dass Rostow am Don eine sehr „grüne“ Stadt ist. Zahlreiche Parks und öffentliche Anlagen laden zu gemütlichen Spaziergängen ein. Extra zur WM wurde die Soborny Gasse, die die Bolschaja Sadowaja Straße mit der Rostower Kathedrale verbindet, teilweise zur Fußgängerzone umgestaltet. Für eine weitere Attraktion Rostows muss man sich jedoch in den Untergrund begeben. Im Fußgängertunnel an der Kreuzung Woroschilowski Prospekt und Bolschaja Sadowaja Straße kann man das große Wandbild des Fliesenleger Juri Labinzew bewundern, das das Leben eines Kindes von der Geburt bis zum Schulabschlussball zeigt. Weitere Themen findet man in den Fußgängertunnels der benachbarten Straßen.

Gastronomie in Rostow am Don

Die besten Schaschlik in Rostow am Don, da weichen die Meinungen keinen fußbreit voneinander ab, gibt es im Kasatschi Chutor an der Lewberdon Uferpromenade. Neumodische Gerichte sind hier nicht beliebt, man isst im Kosaken Hof seit 30 Jahren Fleisch vom Grill und dabei bleibt es auch. Speisen wie bei Kosaken, wenn auch etwas gehobener, lässt sich im Kasatschi Kuren, ebenfalls an der Promenade. Hier sorgt der „Stille Don“ für die Atmosphäre. Bei Frau Marta in der Statschki Straße hingegen gibt es deutsche Gerichte. Die Kehlheimer Schneider Weisse dagegen schenkt man im Brauhaus in der Beregowaja Straße aus. Für einen kulinarischen Ausflug in die Küche Usbekistans geht man ins Jalla am Theaterplatz. Natürlich finden sich auch russische, italienische, chinesische oder französische Speisekarten. Gegessen wird gern in Rostow am Don.

[mb/russland.REISEN]