WM-Stadt Kaliningrad: Die Exklave an der Ostsee

WM-Stadt Kaliningrad: Die Exklave an der OstseeFoto: ermakovasve CC0 Creative Commons via Pixabay

Das Gebiet Kaliningrad und die gleichnamige Stadt, das ehemalige Königsberg, gehört erst seit 1946 zu Russland. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs fiel das damals deutsche Ostpreußen an die sowjetische Siegermacht. Von der alten Pracht ist allerdings so gut wie nichts übrig geblieben. Das im 13. Jahrhundert gegründete Königsberg war zu Kriegsende stark zerstört und wurde als typisch sowjetische Nachkriegsstadt wieder aufgebaut. Heute leben dort rund 430.000 Einwohner.

Arena Baltika

Sowie Kaliningrad als Spielstätte für die Fußball-Weltmeisterschaft feststand, wurde ein neues Stadion geplant. Nach schier endlosen Querelen um den Standort entschied man sich schließlich für die, vom Pregel umflossene, zentrumsnahe Insel Lomse. Nach diversen Streitereien um Baufirmen, Kompetenzen und geflossene Gelder konnte im Jahr 2016 endlich der Baugrund befestigt und die ersten Armierungen in den sandigen Boden getrieben werden. Für den Stadionumbau weichen mussten unzählige Datschas die den Kaliningradern einen nicht unbeträchtlichen Teil der Grundversorgung boten. In Folge des Stadion-Neubaus soll nun die komplette Insel neu bebaut werden.

Die Baukosten wurden anfangs mit etwas mehr als 350 Millionen Euro veranschlagt. Um diesen finanziellen Rahmen zumindest annähernd einzuhalten, mussten etliche Abstriche beim Bau selbst gemacht werden. So wurde beispielsweise die zunächst geplante Kapazität von 45.000 Sitzplätzen auf 35.000 reduziert. Dem örtlichen Zweitliga-Klub FK Baltika Kaliningrad, der die Arena nach der Weltmeisterschaft nutzen wird, sollen schließlich rund 20.000 Plätze zur Verfügung stehen. Zu viel sagen Kritiker, war schon die alte Spielstätte aus dem Jahr 1892 mit 14.500 Plätzen so gut wie nie ausverkauft. In der Folgenutzung sollen daher auch Konzerte und andere Veranstaltungen ihren Platz in der Arena Baltika finden.

Hier, im äußersten Westen Russlands, werden die Mannschaften aus Kroatien, Serbien, Spanien und England sowie Nigeria, Marokko, Belgien und der Schweiz je eines ihrer Gruppenspiele austragen.

Sehenswert in Kaliningrad

Wem der Sinn nach der Vielfalt deutschen Brotes steht, sollte eine der vielen neu eröffneten Bäckereien mit deutschem Backwerk aufsuchen. Man erinnert sich im modernen Kaliningrad immer mehr an das deutsche Erbe, auch wenn außer dem berühmten Dom und Teilen der ehemaligen Stadtbefestigung nichts mehr davon zu sehen ist. Kaliningrad ist die Hochburg des Bernsteins, der an der Ostseeküste angeschwemmt und inzwischen auch im Tagebau gefördert wird. Unzählige, besonders interessante Exponate befinden sich im Musej Jantarja, dem Bernstein-Museum im Dohnaturm [pl. Marschala Wasilewskogo].

Unbedingt sehenswert ist auch der wieder restaurierte Dom auf der gleichnamigen Pregelinsel. Hier gibt die sicherlich berühmteste Orgel Russlands den Ton an. Eine Gedenktafel neben dem eindrucksvollen Kirchengebäude verweist auf den berühmtesten Studenten der damaligen Königsberger Universität, Immanuel Kant. Vom einstigen Königsberger Schloss, in dem das legendäre Bernsteinzimmer bis zu seinem Verschwinden aufbewahrt wurde, sind hingegen nur noch archäologische Fragmente der Grundmauern übrig. An seiner statt errichteten die neuen Hausherren das Haus der Räte. Ein futuristisch anmutender, würfelförmiger Plattenbau, der heute dem Verfall preisgegeben ist.

Die eigentliche Pracht Kaliningrads jedoch sind die ehemaligen Strandbäder Ostpreußens. Auch ihrer hat man sich wieder besonnen und so füllen sich, entlang der endlosen Sandstrände, die Perlen unter den Kurorten allmählich wieder mit Leben. Vom Zentrum Kaliningrads aus sind die beiden am besten erschlossenen, Swetlogorsk und Selenogradsk, rund 30 bis 35 Kilometer entfernt und lassen sich mit Bus oder Bahn in einer guten Stunde erreichen. Nördlich der „Bernsteinküste“ erstreckt sich der langgezogene schmale Streifen des Naturparks Kurische Nehrung, der mit seiner beeindruckenden Dünenlandschaft bis an die Grenze Litauens reicht.

Nicht ohne ausdrückliche vorherige Sondererlaubnis dürfen dagegen einige andere grenznahen Orte besucht werden. So zum Beispiel Baltisk im Südwesten Kaliningrads an der polnischen Grenze, wo die Baltische Flotte ihren Stützpunkt hat. Um vorprogrammierten Ärger zu vermeiden, ist es ratsam, diese Verbote strikt zu befolgen. Gelockert hingegen, wurden die Bestimmungen für Sowjetsk, dem ehemaligen Tilsit im Norden des Gebiets. Hier ist in der Innenstadt noch viel von der herrschaftlich bürgerlichen Architektur des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben. Abgeraten wird jedoch vom Betreten der malerischen Luisen-Brücke über die Memel, denn hier befindet sich der Grenzübergang nach Litauen.

Kulinarisch bietet Kaliningrad neben den gewohnten US-amerikanischen Fast Food-Ketten, Pizzerias und internationalem Hotel-Essen durchaus einige regionale Besonderheiten. Hervorragende Fischgerichte findet man unweit des Stadions im restaurierten Straßenzug „Fischdorf“ [nab. Veteranow]. Auch hält die deutsche Küche wieder verstärkt Einzug in die Kaliningrader Gastro-Szene. In einem oft abenteuerlichen Stilmix serviert man Königsberger Klopse neben Pelmeni zu hausgebrautem deutschen Bier. Als Geheimtipp jedoch gelten die kleinen Imbissbuden, die überwiegend von Usbeken betrieben werden. Hier bekommt man zentralasiatische Köstlichkeiten für wenig Geld.

[mb/russland.REISEN]

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