WM-Stadt Jekaterinburg: Industriemetropole am Ural

WM-Stadt Jekaterinburg: Industriemetropole am UralFoto: commons.wikimedia/Владислав Фальшивомонетчик CC BY-SA 3.0

Jekaterinburg ist die am östlichsten gelegene Stadt, in der Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ausgetragen werden. Ihren Namen erhielt sie zu Ehren der Zarin Katharina der Großen, die hier eine Fabrikstadt errichten ließ, um im großen Stil Eisenerz abzubauen und zu verhütten. Eine denkwürdige Berühmtheit erlangte die Bergwerksstadt weltweit durch die Ermordung der letzten Zarenfamilie im Jahr 1918. Während des Putsches 1991 befand sich der Bunker der Übergangsregierung in Jekaterinburg. Noch heute ist die Stadt ein bedeutender Industriestandort und mit rund 1,35 Millionen Einwohnern inzwischen zur viertgrößten Stadt Russlands angewachsen.

Jekaterinburg Arena

Als eine der wenigen Spielstätten wurde das WM-Stadion in Jekaterinburg nicht komplett neu konzipiert und errichtet, sondern man griff auf die bestehende Substanz des 1953 gebauten Zentralstadions zurück und konzeptionierte es durch Umbauten, um es auf einen FIFA-tauglichen Standard zu bringen. Bereits in den Jahren zuvor wurden an der Arena immer wieder Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen. Geblieben ist die trotz aller Bautätigkeiten die Außenfassade des ursprünglichen Stadions, die im für die Sowjetunion typischen Neoklassizismus erbaut wurde. Über die Kosten der vorerst letzten Modernisierung schweigt man sich offiziell aus. Gemunkelt werden rund zwei Millionen Euro, die sich im Vergleich zu den anderen WM-Stadien allerdings geradezu lächerlich ausnehmen würden.

Jekaterinburg wird neben Kaliningrad die kleinste Spielstätte der WM haben. Um der FIFA-Norm für die WM-Tauglichkeit zu entsprechen, wurde das Stadion durch das örtliche Bauunternehmen Sinara Development von 27.000 auf 35.696 Plätze erweitert. Als Besonderheit wurde nach außen hin erweitert. Die Jekaterinburg Arena ist das erste und bisher einzige WM-Stadion mit einer riesigen Außentribüne, die in die Arena integriert ist. Diese eigenwillige Konstruktion soll nach dem Turnier wieder abgebaut werden. Als Heimat des FK Ural Jekaterinburg, einem der ältesten Fußballklubs des Landes, der 1930 als Werksverein unter dem Namen FK Uralmasch Swerdlwosk gegründet wurde, wird die Arena auch nach der WM ihren eigentlichen Zweck erfüllen. Leider erreicht der Premier-Ligist lediglich einen Zuschauerschnitt von zuletzt 4.500 Besuchern.

Während der WM finden hier vier Gruppenspiele mit den Mannschaften aus Ägypten, Uruguay, Frankreich und Peru sowie Japan, Senegal, Mexiko und Schweden statt.

Sehenswert in Jekaterinburg

Vermutlich wird die meisten Besuchern der allererste Ausflug zirka vierzig Kilometer in die östliche Richtung nach Perwouralsk führen. Hier befindet sich der Obelisk aus weißem Marmor, der die Grenze zwischen Europa und Asien markiert. Der etwas schmucklos wirkende Stein wurde 1837 anlässlich eines Besuchs des Zaren Alexander II. an diesem Platz aufgestellt. Eine weitere, weit mehr auffällige, Grenzmarkierung wurde im Jahr 2004 zum 281. Stadtgeburtstag Jekaterinburgs an der Überlandstraße nach Moskau enthüllt. Die Stahl-Marmor-Konstruktion mit einem vier Meter hohen Pfeil soll künftig in einen Vergnügungspark integriert werden. Beide Markierungen sind mit Bus, beziehungsweise Bahn zu erreichen.

Ein weiterer sehenswerter, ebenfalls mit dem Bus erreichbarer, Ort liegt 17 Kilometer vom Zentrum Jekaterinburgs entfernt. Auf dem Gelände einer ehemaligen Eisenerzgrube befindet sich eine Klosteranlage mit sieben Holzkirchen, die die Stelle markiert, wohin die sterblichen Überreste der ermordeten Zarenfamilie zunächst verbracht worden sein sollen. Ein Rundweg mit Informationstafeln zu dem Ort lädt zu einem nachdenklichen Spaziergang ein. An der Stelle, an der einst das Haus stand, in dessen Keller die Zarenfamilie hingerichtet wurde, befindet sich heute die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, die Blutskirche. 1977 wurde das Haus auf Geheiß Boris Jelzins abgerissen, weil man befürchtete, dass es zu einer Pilgerstätte der Monarchisten werden könnte.

Bei einem Bummel durch Jekaterinburg fällt auf, dass, obwohl es eine moderne Industriestadt ist, viel der historischen Bausubstanz aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten geblieben ist. Sehenswert sind auf alle Fälle das Gehöft der Rastorguew-Charitonows, einer vermögenden Kaufmannsfamilie der Stadt, dem ein parkartiger Garten angeschlossen ist. Hier trifft man sich um zu feiern oder einfach nur Spazieren zu gehen. Ein weiterer Hingucker ist das Sewastjanow-Haus aus dem Jahr 1860. Es ist unbestritten das eleganteste Gebäude im Ural und gehörte einst dem Kollegienassessor Nikolaj Sewastjanow, der mit Lieferungen von Ural-Metall reich geworden war. Unmittelbar steht ein ehemaliger Wasserturm der Eisenbahnstrecke Perm-Jekaterinburg, in dem heute Zeugnisse der Metallverarbeitung ausgestellt werden.

Aus der Zeit der Sowjet-Ära stammt eines der höchsten unvollendeten Bauwerke der Welt, der nie fertig gestellte Fernsehturm von Jekaterinburg. Das heute als Wahrzeichen bekannte Konstrukt hätte ursprünglich eine Höhe von 440 Meter erreichen sollen, wurde jedoch bei 220 Metern aufgrund fehlender finanzieller Mittel abgebrochen. Das Hauptpostamt befindet sich in einem konstruktivistischen Gebäude, das in der Form eines Traktors gebaut wurde. Den Grundriss von Hammer und Sichel dagegen gab man dem 1931 errichteten Rundbau des Hotels Isset, das heute leersteht. Ein anschauliches Zeugnis einer Industriearbeiter-Siedlung der ehemaligen UdSSR ist das Stadviertel des Tschekist-Städtchens. Sogar ein Denkmal zu Ehren der Beatles sowie eine überdimensionierte Computertastatur findet man in Jekaterinburg.

Gastronomie in Jekaterinburg

Die besten Pelmeni in der Stadt gibt es unbestritten im Uralskije Pelmeni auf dem Prospekt Lenina. Auch im Paschtet ist der Name Programm, es gibt hauptsächlich hausgemachte Pasteten. Wer es etwas herrschaftlicher und aus dem 19. Jahrhundert bevorzugt, der wird in dem bei Ausländern sehr beliebten Restaurant Trojekurow einkehren. Die einzigartigen Spezialitäten der gebirgigen Wälder des Urals werden im Medweschja Pad serviert. In der Gaststube, die mit ihren ausgestopften Tieren und dem Kamin an ein Jagdzimmer erinnert, gibt es ein reichhaltiges Angebot an Wildgerichten. Aus der nicht gerade preiswerten Küche kommen Reh, Wildente, Lachs und sor mit Bärenfleisch gefüllte Pelmeni auf den Tisch. Selbstverständlich findet sich auch überall in der Stadt das übliche internationale Gastro-Angebot.

[mb/russland/REISEN]