Mit dem Heli zu den Götzen von Manpupunjor

Mit dem Heli zu den Götzen von ManpupunjorFoto: commons.wikimedia/Kasimys CC BY-SA 4.0

Bislang war der Weg auf das Hochplateau Man-Pupu-Njor in Nordwest-Russland eine mühsame Trekking-Tour von drei bis fünf Tagen auf ungekennzeichneten Wegen, durch Sumpf und über Geröllhalden. Im Winter ist ein Teil der Strecke mit dem Motorschlitten zu bewältigen. Wesentlich bequemer geht es inzwischen mit dem Helikopter, der Touristen direkt an den sagenumwobenen Felsformationen absetzt.

An den westlichen Ausläufern des Nordural findet man in der Republik Komi eine der wohl abgelegensten Sehenswürdigkeiten der Welt. Der Name Man-Pupu-Njor stammt aus der, auch in Sibirien gebräuchlichen, Sprache des finno-ugrischen Volkes der Mansen und wird mit „Berg der Götter“ übersetzt. Auf einem flachen Plateau in etwa 750 Meter Höhe, stehen sieben 30 bis 42 Meter hohe, deplatziert wirkende Felssäulen.

Einer volkstümlichen Sage nach stellen die Manpupunjor-Felsen sechs versteinerte Hunde und einen Schamanen dar. Die Hunde verfolgten demnach die Bewohner der Region. Plötzlich tauchte ein Schamane auf, der mit einem Zauberspruch erst die Hunde und dann sich selber erstarren ließ. Tatsächlich jedoch ist die Felsformation der Überrest eines etwa 200 Millionen Jahre alten, erodierten Gebirgszuges.

Naturerscheinung als Touristenattraktion

Heute sind diese als „Pole der Republik Komi“ oder auch „Sieben starke Männer“ bezeichneten „Manpupunjor-Götzen“ eine nationale Touristenattraktion. Die jährlich steigenden Besucherzahlen zwangen die Behörden bereits zu ersten Einschränkungen. So wurde beispielsweise ein Teil des Wegs aus dem Gebiet Swerdlowsk im Jahre 2004 für den öffentlichen Verkehr gesperrt, nachdem Touren bei Off-Road-Fahrern immer beliebter wurden.

Mittlerweile darf in dem Iwdel- sowie dem Petschoro-Ilytschski-Reservat ab Uschma, Tosemja und Bolschaja Tosamjanur, der letzten Ansammlung von Hütten, 55 km vor den Felsen, nur noch mit der behördlichen Genehmigung der Reservatsverwaltung campiert werden. Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Troizko-Petschorsk, etwa 165 km westlich der Säulen. Hier beginnen auch die drei bis vierstündigen Hubschraubertouren des regionalen Unternehmens „Komiaviatrans“.

Im Juli haben bereits zwei dieser Helikopter-Touren stattgefunden. An Bord waren Touristen aus Moskau, Finnland und Komi selbst, die sich zu den Säulen von Manpupunjor haben fliegen lassen. Dieser Lufttransport wird durch die Zusammenarbeit zwischen der Leitung des finno-ugrischen Ethnokulturparks und der „Komiaviatrans“ ermöglicht. Somit lässt sich der ständig steigende Touristenstrom gleichzeitig kontrollieren.

Stetig wachsendes Interesse

„Wir freuen uns, dass wir die Helikopter-Touren in so kurzer Zeit realisieren konnten. Dies bestätigt die Nachfrage nach touristischen Dienstleistungen, nicht nur von Auswärts, sondern auch unter den Einheimischen“, sagt Jelena Iwanowa, die Direktorin der finno-ugrischen Ethno-Parkverwaltung. Ihr zufolge sollen die Touren für kommendes Jahr im März und im Juli stattfinden. Langfristig plant man jedoch, sie mit Flügen von Moskau und St. Petersburg zu kombinieren.

Momentan liegen die Kosten für die Helikopter-Touren bei 29.000 Rubel pro Person, das entspricht umgerechnet rund 400 Euro. Im Preis inbegriffen ist der etwa einstündige Flug mit einem M-8-Hubschrauber, sowie der von einem Bergführer begleitete Aufstieg zu den Manpupunjor-Felssäulen selbst. Vor Ort stehen den Reisenden etwa zwei Stunden zur eigenen Verfügung, um die beeindruckende Landschaft in Ruhe auf sich wirken zu lassen.

Unweit des Plateaus von Man-Pupu-Njor windet sich übrigens der 635 Meter hoch gelegene Djatlow-Pass, der bei Verschwörungstheoretikern wohlbekannt ist. Hier ruht seit Februar 1959 das bizarrste, bis heute ungelöste Rätsel der damaligen Sowjetunion. Neun Menschen starben bei Temperaturen vor Minus 30 Grad Celsius. Ihre Leichen fand man nur leicht bekleidet und radioaktiv verseucht unweit ihres Zeltes, das von innen gewaltsam aufgeschlitzt wurde.

[mb/russland.REISEN]

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