Bestand der sibirischen Amur-Leoparden erholt sich allmählich

Bestand der sibirischen Amur-Leoparden erholt sich allmählich

Noch vor zwanzig Jahren gehörten die in Sibirien lebenden Amur-Leoparden zu den Tierarten, die schon nahezu ausgestorben waren. Inzwischen erholt sich die Population wieder. Nicht zuletzt wegen umfangreicher Schutzmaßnahmen in ihrem natürlichen Lebensraum.

Die Zahlen, die der Leopardovy-Nationalpark in der südsibirischen Region Primorje an der Grenze zu China jüngst veröffentlichte, geben Anlass zur Hoffnung. Durch Kamerafallen konnte ermittelt werden, dass wieder 103 Tiere dieser seltenen Leoparden-Unterart durch die Reste der einst dichten Wälder streifen. Unter ihnen befänden sich 19 Jungtiere, wurde berichtet. Noch vor drei Jahren zählte man insgesamt 57 Tiere. Begonnen wurde die systematische Zählung mit gerade einmal 49 Exemplaren, den letzten Überlebenden der Tierart.

Wilderei, Nahrungsmangel und der Verlust ihres natürlichen Lebensraums waren die Hauptursachen des eklatanten Rückganges, der die Tiere zu einer der seltensten Katzenart weltweit machte. Die einst dichten Berg- und Mischwälder der gemäßigten Zone Nordostasiens fielen exzessiven Rodungen zum Opfer, ausgedehnte Waldbrände, meist ausgelöst durch menschliche Unachtsamkeit, schlugen dichte Schneisen in das Habitat der Leoparden. Große Teile der Mischwaldregionen sind durch die regelmäßigen Brände bereits zu Buschland geworden.

Der nicht ausbleibende Mensch-Tier-Konflikt, sei es durch gezielte Jagd oder durch massive Eingriffe in ihren Lebensraum in Form von Straßenbau, setzte der, an sich menschenscheuen, Tierart in den letzten Jahrzehnten ebenfalls merklich zu. Mit der Vernichtung des intakten Umfeldes verschwinden auch immer mehr Beutetiere aus den Jagdgebieten der Leoparden. Sibirische Rehe und Sikahirsche, die vor allem im Winter eine für die Amur-Leoparden überlebenswichtige Rolle spielen und mehr als die Hälfte der Nahrung ausmachen, suchten sich neue Lebensräume. Für Wilderer ist ein Fell des Amur-Leopardens vor Ort schon 500 bis 1.000 US-Dollar wert.

Ausgedehnte Schutzzonen und drastische Strafen für Wilderer

Im April 2012 schließlich wies die russische Regierung, nach eingehenden Gesprächen zwischen dem World Wildlife Fund WWF, dem russischen Vize-Premierminister Sergej Iwanow sowie Vertretern des Ministeriums für natürliche Ressourcen, das Leoparden-Schutzgebiet in der Region Primorje aus. Ursprünglich hatte die Schutzzone etwa die Größe des Saarlandes. Mittlerweile greift der geschützte Lebensraum der Großkatzen auf chinesisches Territorium über und ergänzt den Leopardovy-Park um das direkt benachbarte Hunchun-Reservat. Drei große Waldgebiete umfassen eine Fläche von 165.000 Hektar.

Bei der Artenschutz-Organisation geht man davon aus, dass das Schutzgebiet rund 85 Prozent aller frei lebenden Amur-Leoparden beherbergt. Seit den Anfängen des Naturparks werden die Tiere durch gezieltes Monitoring mit dem dichtesten Netz an Kamerafallen in ganz Russland erfasst. Das Erfreuliche dabei: Die Zahl der Leoparden steigt kontinuierlich an. „Die neuen Bestandszahlen zeigen, dass die intensiven Schutzbemühungen nicht umsonst waren. Der Amur-Leopard entfernt sich einen kleinen Schritt weg vom Abgrund der Ausrottung“, berichtet der WWF-Mitarbeiter Marjus Radday.

Bei aller Euphorie, Entwarnung kann auch er noch nicht geben. „Trotzdem ist der Bestand auch jetzt leider immer noch viel zu gering für eine stabile Population“, muss Radday einräumen. Es ist der Erfolg in kleinen Schritten, der der Hoffnung Nahrung gibt, dass sich die Zahl der Amur-Leoparden ähnlich erholt, wie die der Amur-Tiger, die in derselben Region beheimatet sind. Hier sei die Anzahl der rund 450 Großkatzen seit 2009 konstant geblieben. Nicht zuletzt, weil die russische Gesetzgebung inzwischen drastische Strafen für die Jagd der Tiere, meist für chinesische Medizin, vorsieht.

[mb/russland.REISEN]

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