Astrachan will sich als historisches Handelszentrum vermarkten

Astrachan will sich als historisches Handelszentrum vermarktenFoto: commons.wikimedia/Alexxx1979 CC BY-SA 4.0

Im Beisein von Behördenvertretern, Unternehmern, Historikern, Architekten sowie Fotografen veranstaltete das Ministerium für Kultur und Tourismus Astrachans ein Treffen, um ein Projekt zur touristischen Vermarktung zu entwickeln. Im Fokus steht die historische Handelsmetropole.

Schon Peter der Große hatte Größeres im Sinn, als er im Jahr 1722 eine Admiralität, eine Werft sowie einen Hafen in Astrachan errichten ließ. Die Stadt, die Zar Iwan IV. 1556/58 den Tataren abspenstig machte, wurde im 17. Jahrhundert, begünstigt durch ihre Lage an der Wolgamündung ins Kaspische Meer, zur Drehscheibe des Handels mit Rohseide. Die Handelsrouten reichten von Persien bis an die Ostsee und von dort weiter nach Nord- und Westeuropa. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr Astrachan durch die Erdölgewinnung in Baku einen weiteren Aufschwung.

Touristen und Einwohner der Region sollen mehr über die ehemaligen Kaufleute Astrachans erfahren. Das war der Kontext einer Veranstaltung, bei der die Vertreter von verschiedenen Interessengruppen ihre Vorstellungen zu einer künftigen Vermarktungsstrategie der südrussischen Stadt Gedanken einbringen sollten. Zielsetzung soll eine zeitgemäße Präsentation unter der Berücksichtigung der architektonischen Attraktivität des einstigen Handelszentrums Astrachan werden. Das Projekt „Astrachans Kaufleute“ ist mehr als regionales Bedürfnis zu betrachten, als eine staatliche Angelegenheit.

„Das Projekt vereint Menschen, die die Schönheit und die Individualität der Stadt bewahren wollen, weil die Intellektuellen, diese facettenreichen Menschen, die in diesen Villen lebten sowie das Gebäude selbst, die Besonderheit der Architektur Astrachans widerspiegeln“, betont Galina Sotejewa, die Ministerin für Kultur und Tourismus der Region.

Drehscheibe des Handels im Südens

Deshalb läge der Fokus nicht nur auf der Restaurierung der Gebäude, sondern auch auf der Wiederherstellung historischer Daten von Familien, die einst zu den Herrenhäusern gehörten. Anhand von Informationen, die an den Eingangsbereichen der Gebäude angebracht werden sollen, einschließlich spezieller Schildern, die in Form der Fassaden an jeder der Einrichtungen installiert sind, können Touristen und Einheimische erfahren, wann das Haus gebaut wurde und welcher Familie es gehörte, erklärt sie.

So wie seine ersten Besitzer die Stadt Astrachan verschönerten, werden auch heutige Besucher an dessen Geschichte und den einstigen Bewohnern Gefallen finden, denkt die Ministerin. Sie könne sich auch gut vorstellen, an den Kaufmannshäusern zusätzlich die modernen Straßenbezeichnungen hinzuzufügen, so dass man beide, oder mehr, Zeitabschnitte sehen könne.

Auch Ideen wie die Rekonstruktion von Bauplänen, eine Auswahl von Fotografien vorrevolutionärer, postrevolutionärer und moderner Epochen wurden zur Diskussion gestellt. Fotokünstler unter den Mitgliedern des Projektteams, stellten zu diesem Zweck Postkarten des Handelszentrums Astrachans als Anregung zur Verfügung.

Das Treffen behandelte auch neue touristische Wegstrecken. Andrei Kurapow, der stellvertretende Direktor des Museums-Reservats Astrachan, erläuterte konkrete Vorstellungen. Es seien bereits drei Ausflüge unternommen worden, die die kulturellen Objekte des historischen Zentrums, das Handelsleben von Astrachan sowie architektonische Denkmäler miteinander verbinden. Zwei von ihnen sind Strecken, die per Bus und zu Fuß zu bewältigen sind und ein weiterer als reiner Fußweg.

Die Route der Exkursion bewege sich entlang der Straßen innerhalb der Stadt und soll die Teilnehmer mit den Sehenswürdigkeiten des Handels vertraut machen. An festgelegten Haltestellen werde es demzufolge möglich sein, einige der historischen Gebäude zu besichtigen. Die Teilnehmer des Treffens begrüßten die Idee, so heißt es und boten sich, nicht nur für Touristen, als Tourguides an. Es soll zudem der jüngeren Generation unter den Einheimischen mehr über die Geschichte und Kultur ihrer Heimatstadt vermitteln, so hieß es. Wann das Tourismuskonzept letztendlich an den Start gehen soll, blieb indes noch offen.

[mb/russland.REISEN]